Warum Nutzerfeedback oft falsch interpretiert wird

Nutzerfeedback gilt als Goldstandard moderner Produktentwicklung. „Hör auf deine Nutzer“ ist wohl einer der meistzitierten Ratschläge – dennoch entstehen immer wieder Produkte, die trotz viel Feedback am eigentlichen Bedarf vorbeigehen.
In den wenigsten Fällen ist das Problem fehlendes Feedback. Das Problem ist, wie wir Feedback interpretieren.
Feedback ist ehrlich, aber nicht objektiv
Nutzerfeedback ist fast immer ehrlich. Menschen sagen, was sie stört, was sie vermissen oder was sich für sie nicht richtig anfühlt. Das macht Feedback wertvoll – insbesondere anonymes Feedback, bei dem niemand mehr versucht, höflich zu sein.
Gleichzeitig ist Feedback subjektiv, situationsabhängig und stark von Erwartung und Erfahrung geprägt. Ein Nutzer beschreibt sein Erleben und nicht die zugrunde liegende Ursache. Genau hier beginnt die eigentliche Produktarbeit.
„Feedback ist Rohmaterial – kein Bauplan.“
Ein konkretes Beispiel aus Receptree
Bei Receptree, unserer Plattform für Fujifilm-Filmrezepte, haben wir potenzielle Nutzer von Beginn an bewusst einbezogen. Noch bevor das Produkt in seiner heutigen Form stand, haben wir aktiv Feedback eingeholt – mit dem Ziel, das Kernprodukt richtig zu formen und etwas zu bauen, das User tatsächlich nutzen wollen.
Typische Fehlinterpretationen von Nutzerfeedback
„Wenn viele das Gleiche sagen, bauen wir es einfach.“
Häufiges Feedback ist wichtig, aber es zeigt nur, dass etwas nicht passt – nicht, wie es gelöst werden sollte.
„Der Nutzer weiß, was er braucht.“
Nutzer kennen ihr Problem sehr gut. Sie kennen aber selten die beste Lösung, dafür fehlt der Gesamtüberblick.
„Mehr Feedback führt zu besseren Entscheidungen.“
Zu viel unstrukturiertes Feedback führt oft zu Feature-Überladung, inkonsistenten Entscheidungen und einem Produkt, das alles ein bisschen kann, aber nichts richtig.
Was gutes Produktfeedback wirklich ist
Feedback ist Rohmaterial und kein Bauplan. Es hilft, Fragen zu stellen: Warum empfindet der Nutzer das so? In welchem Kontext tritt das Problem auf? Was versucht der Nutzer eigentlich zu erreichen? Erst diese Einordnung macht Feedback wertvoll.
Unser Fazit
Nutzerfeedback ist unverzichtbar. Falsch interpretiert wird es teuer. Gute Produkte entstehen nicht dadurch, dass man jede Rückmeldung eins zu eins umsetzt, sondern dadurch, dass man versteht, was hinter dem Feedback steckt.
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